Das Licht in der Fotografie Teil 2

Warum benutzen Fotografen bei strahlendem Sonnenschein einen oder mehrere Blitze? Und welchen Zweck haben eigentlich diese großen, runden und mit Stoff bespannten Ringe, deren Durchmesser manchmal bis zu zwei Meter betragen kann?

Photographing a model 1

© Brocken Inaglory

Was ein Blitzlicht macht, dürfte klar sein. Es ist einem Blitz bei einem Gewitter nicht unähnlich; auch ein Blitzlicht ist ziemlich intensiv und gleichzeitig nur für den Bruchteil einer Sekunde sichtbar. Im Gegensatz hierzu steht die Sonne als starke und konstante Lichtquelle. Ein weiterer Unterschied: Die Sonne ist ziemlich weit weg, unser künstlicher Blitz ziemlich nah. Beide Lichtquellen haben jedoch auch eines gemeinsam: man kann sie umleiten.

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Wie? Man kann Licht umleiten? Ja, Licht lässt sich tatsächlich umleiten. Dieses runde Teil auf dem Foto ganz oben ist ein spezialbeschichteter Bouncer, ein Lichtaufheller oder auch ein Lichtumleiter, den jeder Profifotograf einsetzt. Keine Sorge, Sie müssen nun keinen solchen Lichtaufheller für hunderte Euro kaufen, um Ihr Baby oder Kleinkind zu fotografieren – das geht auch günstiger. Wie? Das sage ich Ihnen gleich. Lassen Sie mich aber zunächst das Prinzip der Lichtumleitung erklären.

Hier auf dem kleinen Video habe ich die Sonne mittels eines kleinen Taschenspiegels auf das Schaukelpferd umgeleitet. Vielleicht erinnern Sie sich? Als Kind hat man früher einen kleinen Spiegel oder einen Metallgegenstand so in die Sonne gehalten, dass man das Sonnenlicht umleiten konnte, zum Beispiel auf eine Wand, auf die Straße oder wohin auch immer man wollte, genau so wie auf dem Video.

Heute sind Sie natürlich kein Kind mehr, sondern eine erwachsene Frau oder ein erwachsener Mann. Probieren Sie dieses kleine Experiment trotzdem einmal aus. Nehmen Sie ein Stück normales weißes Papier und leiten Sie ganz ohne Sonnenstrahlen das vorhandene Tageslicht um. Halten Sie das Papier ziemlich nah an eine (im besten Fall weiße) Zimmerwand und bewegen Sie es hin und her, so als ob Sie mit einem Spiegel hantieren, der das Sonnenlicht umleitet. Schnell werden Sie erkennen, dass das Prinzip der Lichtumleitung auch bei diesem kleinen Experiment ganz gut funktioniert.

Nun geht es konkret um die Lichtumleitung beim Fotografieren. Statt eines weißen Papiers nehmen Sie jetzt eine Styroporplatte aus dem Baumarkt und fangen nach dem gleichen Prinzip das Tageslicht ein. Sie platzieren das Stück Styropor so, dass das Licht auf das Gesicht Ihres Babys umgeleitet wird. Machen Sie nun ein Foto mit und eines ohne Lichtumleitung. Überzeugt?